Elke Büdenbender besucht die Beratungsstelle für Mädchen in Not - 04.09.2017



(Artikel WESTFALENPOST Hendrik Schulz)

Die Gattin von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, spricht sich für Erhalt der Kreuztaler Beratungsstelle für Mädchen in Not aus.

Elke Büdenbender ist beeindruckt: Vom „über-obligatorischen“ Engagement der Mitarbeiterinnen der Beratungsstelle für Mädchen in Not, „denen zu helfen, die in schlimmster Weise Gewalt erfahren haben.“ Die Ehefrau von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und gebürtige Siegerländerin hat am Montag die Räume des Vereins Ifpake besucht. Sie betont: Dezentrale, niedrigschwellige Angebote im Bereich sexuelle Gewalt wie dieses gelte es unbedingt zu erhalten.

Der Grund

Von einer „gewaltigen Ehre“ spricht Dr. Verena Lüttel. Die Ifpake-Vorsitzende kümmert sich um die Finanzen – ehrenamtlich –, ist händeringend auf der Suche nach Spenden: 30- bis 40 000 Euro Eigenanteil muss Ifpake jährlich über Spenden aufbringen, um die Beratungsstelle aufrecht erhalten zu können. Eine Bundespräsidentengattin als Schirmherrin wäre da mehr als hilfreich. Eine Anfrage Verena Lüttels lehnte Büdenbenders Büro ab – zu viele bitten um ihre Schirmherrschaft. Büdenbender bot aber einen Vor-Ort-Termin an.

Der Besuch

Die Zahl der Polizeiwagen, die in den vergangenen Tagen rund um das Büro an der Moltkestraße Streife fuhr, war bemerkenswert hoch, sagt Verena Lüttel und gestattet sich ein Lächeln. Dutzende Einladungen zu dem Termin hat sie in den vergangenen Wochen geschrieben; an Mandatsträger, Verwaltungschefs, Vertreter der Wirtschaft, der Wohlfahrtsverbände.

Bis auf die Bundestagsabgeordneten – in Berlin ist Sitzungswoche – sind alle gekommen, das kleine Büro ist voll. Eine Limousine mit Berliner Kennzeichen fährt vor, Elke Büdenbender begrüßt Verena Lüttel und ihre Mitarbeiterinnen, Winken für die Kamera, drinnen weiter Händeschütteln. „Sie entschuldigen, wenn ich mir nicht alle Namen merken kann“, sagt Büdenbender, nachdem sie allen die Hand gegeben hat, und: „Schön, Sie kennenzulernen.“

Das Thema

Um es kurz zu machen: Geld. Das hat hohe Priorität für Ifpake – weil die Beratungsstelle langfristig nicht finanziell abgesichert ist. Eine der beiden hauptamtlichen Stellen wird zu 90 Prozent vom Kreis bezahlt, es gibt einen Sachkostenzuschuss (Lüttel: „Der deckt nicht annähernd die Kosten“), die Stadt Kreuztal beteiligt sich mit einer fünfstelligen Summe, die Stadt Siegen zahlt eine schwankende, freiwillige Leistung. „Auf Dauer können wir nur weitermachen, wenn sich die Finanzierung ändert“, so Lüttel.

Höchste Priorität hat für Ifpake aber eigentlich die Arbeit mit den Mädchen und Frauen: Mit mehr als 100 Fällen pro Jahr beschäftigen sie sich. „Unsere Arbeit ist nicht immer einfach“, sagt Lüttel. „Aber wenn wir sehen, wie sich die Mädchen entwickeln, wie sie wieder Lebensfreude schöpfen, dann entschädigt das für viele Stunden Arbeit“, so Mitarbeiterin Sandy Seifferth. Ihre Kollegin Duygu Gözler erzählt von ihren Aufgaben: Beratung per Telefon, per Mail, persönlich; langsam und behutsam, bis irgendwann Vertrauen entsteht und die Mädchen von dem erzählen, was sie sonst niemandem anvertrauen können. Präventionsarbeit für Eltern, Lehrer, Sozialarbeiter; Fortbildungen, Vorträge, auch an der Uni Siegen, Informationsveranstaltungen an Schulen und Kindergärten.

HINTERGRUND: Bessere Absprachen der Akteure

Die Beratungsstelle steht zwischen den kommunalpolitischen Stühlen: Die Stadt Siegen zahlt die freiwillige Leistung, weil ein Drittel der Klientinnen aus Siegen kommt. Eigentlich unterstützt die Stadt die ärztliche Beratungsstelle der Kinderklinik, die ebenfalls im Bereich Missbrauch tätig ist.

Laut Förderrichtlinien sei nur eine Organisation in einem bestimmten Bereich vorgesehen, so Verena Lüttel. Dazu kommen die Jugendämter, die ebenfalls im Bereich Missbrauch arbeiten, „aber teils völlig überlastet sind“, wie Dagmar Schule-Lange, Präsidentin des Siegener Landgerichts, sagt – und bei denen oft eine gewisse Hemmschwelle vorhanden sei. „Die Behörden können nicht alles leisten“, so Elke Büdenbender, gerade beim Thema Missbrauch sei eine langfristige, vertrauensvolle Arbeit solcher Einrichtungen nah an den Betroffenen „ungeheuer wertvoll“. Angeregt wurde, dass weitere Kommunen, aus deren Gebiet Klientinnen zur Beratungsstelle kommen, sich beteiligen.

In Kürze stehen für Ifpake Gespräche mit der AWO über eine mögliche Trägerschaft an. Die Finanzierung für ein Jahr sei kein Problem, so Detlef Rujanski, langjähriger Geschäftsführer Paritätischer Wohlfahrtsverbands: Aber eine hohe fünfstellige Summe könnten auch die Wohlfahrtsverbände nicht dauerhaft stemmen. „Die Region muss sich überlegen, wie man das absichern kann.“

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