Radioaktiv mit dem Mikrofon - 04.08.2016



Machen erste Radio-Erfahrungen: Emelie (links) und Lisa. Foto: Isabelle Weber

Ferienworkshop der Beratungsstelle für Mädchen in Not produziert eigene Sendung

Von Isabelle Weber

Kreuztal. „Langsamer und an manchen Stellen klarer sprechen“, erklärt Herbert Perl. „Du darfst nichts verschlucken“. Amelie nickt, sie probiert es noch einmal. Dann liest sie ihren Text über die Haltung von Zirkustieren vor, als hätte sie nie etwas anderes getan. Aber sie wird heute das erste Mal vor einem Mikrofon stehen, genau wie die meisten der anderen sechs Teilnehmerinnen des Radioworkshops in der Jugendbegegnungsstätte in Kreuztal. Das Projekt von der Beratungsstelle für Mädchen in Not wird von „echten“ Radiomachern vom Radioförderverein Kreuztal geleitet: Herbert Perl und Jost Schöler.

„Eine tolle Sendung mit jungen Menschen machen.“

Jost Schöler vom Radioförderverein Kreuztal

„Welche Möglichkeiten hat der Bürger Radio zu gestalten?“, fragt Perl – die Hauptfrage des ganzen Projekts. Sprechen, Informieren, ein Interview führen. Kompetenzen, die die Kinder zwischen zwölf und 14 Jahren sich im dreitägigen Workshop aneignen sollen.

Von Umwelt bis Pokémon

Zuerst die Themenwahl. Lisa möchte über die aktuelle Umweltsituation sprechen. Wie viel Müll entsteht, was man verbessern könnte. „Vielleichtkannst du noch einbringen, was dein persönlicher Wunsch wäre. Oder einen lokalen Bezug“, schlägt Jost Schöler vor. Nach Lisas Beitrag kommt ein Interview von Emelie. Ihr Gesprächspartner ist quasi prominent: Christian Zimmer von der Jugendförderung der Stadt Kreuztal. „Ich lese dir schon mal die Fragen vor, damit du dich vorbereiten kannst“, sagt Emelie selbstbewusst. Ihre letzte Frage dreht sich um Geld. Was mit den gezahlten Kostenbeiträgen passiert, will sie wissen. Ganz die investigative Journalistin.

„Position einnehmen. Es wird nicht mit dem Papier geraschelt. Bleib bei deinem Text“, ermutigt Herbert Perl Noemi. Ihr Beitrag ist der letzte für die Sendung. Das Thema: Pokémon. „Das ist in aller Munde“, sagt Perl und lacht. „Trotzdem habe ich keine Ahnung, was das ist.“ Jeder Beitrag soll nicht länger als drei Minuten sein, dazwischen moderiert Lisa. Die Profis machen ihr Vorschläge für Übergänge, es wird über die Reihenfolge der Beiträge diskutiert. „Ihr habt das Sagen“, so Perl.

Denn dass die Sendung am Ende genau so ist, wie die Mädels sich das vorstellen, ist für Perl und Schöler das Wichtigste. „Es geht darum, eine tolle Sendung mit jungen Menschen zu machen.“ Das Projekt kann neben dem Spaß an der Sache auch richtungsweisend für den Berufsweg sein. „Das ist auch eine Art Schnupperkurs. Wir züchten uns den Nachwuchs“, so Schöler.

48-minütige Sendung im Radio

Neben den Beiträgen fehlt für eine gute Sendung natürlich noch Musik. Spanische Rhythmen von Alvaro Soler mit „Mismo Sol“ möchte die Musikbeauftragte Emelie mit Sia „Cheap Thrills“ mischen. Insgesamt werden es acht bis zehn Musikstücke werden, die Sendung soll etwa 48 Minuten lang dauern. In der nächsten Woche wird sie dann bei Radio Siegen zu hören sein. Die erste, die wirklich einsprechen darf, ist Emelie. Sie sitzt im Tonstudio und fühlt sich „ganz professionell“. Jost Schöler hebt wie ein Lehrer den Finger, das Zeichen, dass Emelie sprechen kann. „Dann danke für das Interview“, sagt sie am Ende und strahlt.

Bürgerfunk Siegen-Wittgenstein

Um Bürgerfunker zu werden, braucht man ein kostenloses Zertifikat der Landesanstalt für Medien NRW (LfM). Der Bürgerfunk Siegen-Wittgenstein bietet Ausbildungsmaßnahmen an, um dieses Zertifikat zu bekommen.

Wer Interesse hat, kann sich bei hperl@gmx.de melden.

Westfälische Rundschau, 04. August 2016

 

Link zum Presseartikel:

www.derwesten.de/staedte/nachrichten-aus-siegen-kreuztal-netphen-hilchenbach-und-freudenberg/radioaktiv-mit-dem-mikrofon-in-kreuztal-id12064498.html

 

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