Neues Dach für Beratungsstelle - 20.12.2014



Ifpake-Team um Dr. Lüttel (2.v.r.) mit Sonja Becker (Mittel) von ALF (Foto: hn)

25 Jahre „Mädchen in Not“. Ifpake übergibt die Trägerschaft an ALF

Kreuztal. Der Verein Alternative Lebensräume für Frauen (ALF) wird ab 1. März 2015 neuer Träger der Kreuztaler Beratungsstelle für „Mädchen in Not“. Das hat die bisherige Vorsitzende des Trägervereins Ifpake, Dr. Verena Lüttel aus Anlass der Feier zum 25-jährigen Bestehen der Einrichtung am Freitag bekannt gegeben.

Die Schweizerin, die den Verein initiierte, aus dem 1990 die Beratungsstelle hervorging, ist inzwischen 75 Jahre alt und gibt das Ehrenamt nun weiter an ALF – in Kreuztal bereits mit dem Ali-Baba-Laden sowie zwei Kindertageseinrichtungen vertreten. Die Geschäftsstelle von „Mädchen in Not“ in der Moltkestraße, übrigens seit Gründung der dritte Standort in Kreuztal, gehört nun dazu. Geschäftsführerin Sonja Becker versicherte, dass ALF die Arbeit im bisherigen Umfang fortsetzen werde, die Beratungsstelle passe „gut unter unser Dach“.

Kein Tabuthema mehr

Gefeiert wurde am Freitag das Jubiläum der Beratungsstelle im kleineren Kreis. Vertreter von Stadt und Kreis, der Parteien und der Verbände kamen nach Kreuztal, um Dr. Lüttel und ihren Mitarbeiterinnen ihre Grüße zu überbringen. Dabei war die Existenz von „Mädchen in Not“ nicht durchgängig gesichert. Doch sei drei Jahren finanziert der Kreis Siegen-Wittgenstein eine der Planstellen fast komplett. Die Städte Siegen und Kreuztal leisten ebenfalls jährliche Zuschüsse, was nicht selbstverständlich sei angesichts der leeren Kassen. Denn die Unterstützung der Beratungsstelle ist eine freiwillige Leistung. Ansonsten lebt der Verein von zahlreichen Spenden – so wie am Freitag, als die Strickliesel-Gruppe aus Müsen 1000 Euro mitbrachte.

Aktuell suchen etwa 100 von sexuellem Missbrauch betroffene Menschen die Beratungsstelle pro Jahr auf. Zwei hauptamtliche Mitarbeiterinnen, die Sozialarbeiterinnen Jessica Schmidt und Duygu Gözler, nehmen sich der Sorgen der Klienten an, wobei Jungen eine Minderheit bilden. Angenommen werden Fälle von jungen Menschen bis zum Alter von 27 Jahren.

Eltern und professionelle Bezugspersonen wie Lehrer und Erzieher nutzen das Angebot der Beratungsstelle, die in erster Linie Präventionsarbeit leisten will, in bestimmten Fällen die Betroffenen aber auch bei wichtigen Gängen begleitet und unterstützt. Klare Erkenntnis der 25-jährigen Arbeit ist, dass Missbrauch sich größtenteils im familiären oder sozialen Nachbereich ereignet und es in seltensten Fällen unbekannte Täter sind.

War sexueller Missbrauch noch in den Anfangsjahren von „Mädchen in Not“ ein Tabuthema, so herrsche doch heute die Bereitschaft vor, sich mit dem Problem auseinanderzusetzen, stellte Dr. Verena Lüttel fest. Inzwischen kommen Ratsuchende nicht nur aus Kreuztal und dem Kreisgebiet, sondern auch „zu zehn Prozent“ aus dem Nachbarkreis Olpe, obwohl von dort keine finanzielle Unterstützung geleistet wird. Auch Klienten aus den Kreisen Altenkirchen und Lahn-Dill finden immer öfter den Weg in die Moltkestraße. Kein Wunder: Die nächste Beratungsstelle dieser Art ist in Köln. Hn

Rund 1000 Beratungskontakte

  • 144 persönliche, 181 telefonische und 13 E-Mail-Kontakte mit 70 Bezugspersonen verzeichnet der Jahresbericht 2013.
  • Weitere 64 Menschen kamen aus dem Umfeld von Betroffenen und suchten 47 Mal persönlich die Beratungsstelle auf, riefen 127 Mal an und sendeten neun E-Mails.
  • Darüber hinaus fanden klientenbezogene Kontakte zu 96 Institutionen statt, vor allem zu juristischen, medizinischen oder psychologischen Fachkräften.
  • Im Vorjahr nutzen 160 Personen das Beratungsangebot und hatten 1000 Kontakte.
  • Tel. 02732/4133

WP 20. Dezember 2014

 

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