Zuhören, ermutigen, handeln - 24.12.2014



Beratungsstelle für Mädchen in Not feiert 25-jähriges Bestehen

Von Franziska Elsner

Redaktion-si@siegerlandkurier.de

Kreuztal.

Seit 25 Jahren betreuen die Mitarbeiter der Beratungsstelle für Mädchen in Not vor allem Opfer von sexualisierten Übergriffen. Die Arbeit des Teams ist vielseitig und angesichts der steigenden Zahlen sexuellen Missbrauchs von immer größerer Bedeutung.

Sexualisierte Gewalt ist auch im Kreis Siegen-Wittgenstein keine Seltenheit mehr und häufig fehlt Betroffenen der Mut und die Mittel, sich zu wehren. In 99 Prozent der Fälle geht der Missbrauch junger Mädchen vom näheren Umfeld aus – ein Entkommen gestaltet sich da noch schwieriger. „Die Erwachsenen, die auf Fälle aufmerksam geworden sind oder die Jugendlichen, die sich häufig selbst an uns wenden, können sich eigenständig für eine Lösung entscheiden. Wir drängen sie nicht dazu, sondern unterstützen sie dabei, ihre individuelle Lösung zu finden und sie durchzusetzen“, beschreibt Geschäftsführerin Dr. Verena Lüttel ihre vor allem ehrenamtliche Arbeit in der Beratungsstelle für Mädchen in Not. Die Räumlichkeiten befinden sich in der Moltkestraße in Kreuztal und bieten seit 25 Jahren eine Anlaufstelle für vor allem weibliche Hilfesuchende bis 27 Jahre.

Neben der intensiven Auseinandersetzung mit Betroffenen und deren Familien, spielt für das fünfköpfige Team vor allem die Präventionsarbeit eine wichtige Rolle. Gemeinsam mit den Sozialpädagoginnen Jessica Schmidt und Duygu Gözler organisiert Dr. Verena Lüttel Projekte in Kindergärten und Schulen, um so die Kinder vor sexualisierten Übergriffen zu schützen oder Betroffene zu ermutigen, sich jemanden anzuvertrauen. Außerdem können Jugendliche in den regelmäßig angebotenen Selbstverteidigungskursen lernen, sich gegen unangemessene Sprüche und Angriffe zu wehren.

Unterstützt wird die Beratungsstelle, die vom Verein IFPAKE getragen wird, vor allem vom Kreis Siegen-Wittgenstein, der Stadt Siegen und der Stadt Kreuztal, die regelmäßig freiwillige Zuschüsse zur Verfügung stellen. Dennoch ist das Team rund um Dr. Lüttel auf Spenden angewiesen, um die 100 eingehenden Fälle pro Jahr intensiv betreuen zu können. Als Dank für die wichtige Arbeit mit Kindern und als kleines Geschenk zum 25. Jubiläum spendeten die „Stricklieseln“ aus Müsen der Beratungsstelle 1000 Euro.

Seit Gründung 1990 leitet Dr. Verena Lüttel die Beratungsstelle, will aber mit ihren 75 Jahren in Zukunft kürzer treten. Die Arbeit mit Mädchen in Not wird dann unter dem Dach der Alternative Lebensräume gGmbH (ALF) weitergeführt und ausgebaut. „Wir freuen uns sehr auf die Zusammenarbeit und sind froh, dass die Stelle auf diese Weise noch viele Jahre Mädchen in Not unterstützen wird“, so Sonja Becker, Geschäftsführerin der ALF.

Siegerlandkurier, 24. Dezember 2014

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